Tutorial Architekturfotografie. Harte Kontraste und dunkle Farben bei Regen und verdeckter Sonne. Bei Fotos von historischer Architektur wie beispielsweise einem alten Friedhof kann die harte Frühjahrssonne, die von leichten Regenwolken verdeckt wird, einen natürlichen Grungy Look auf den Fotos erzeugen.
Die meisten Menschen schätzen das Regenwetter nicht wenn sie fotografieren wollen. Bei ganz bestimmten Objekten kann ein bedeckter Himmel und Regenwolken allerdings einen ganz bestimmten Farbton auf den Fotos erzeugen, die das Endergebnis quasi in einen natürlichen Grungy Look tauchen. Das geht mit nahezu jeder Art von Kamera, auch mit einer Kompaktkamera und einer Handykamera.
1. Das Wetter – die Ausgangslage
Es ist ein milder, aber regnerischer Frühjahrstag. Der Himmel ist vollkommen von Regenwolken verdeckt, die aber die Frühjahrssonne durchschimmern lassen. Die Natur im Allgemeinen hat sich noch nicht vom Winter erholt, die Reste von abgestorbenen Pflanzen, die lange unter dem Schnee vergraben lagen, bieten keinen schönen Anblick. Die Frühjahrsblüher zeigen sich noch nicht in den Vorgärten. Der Frühling lässt sich zwar erahnen, aber es wird noch ein paar Wochen dauern, bis er sich mit seinen bunten Farben wirklich durchsetzen kann.
2. Das Objekt – Ein Historischer Friedhof
Entstehungsgeschichte: Als die erste Bestattung auf dem Hasefriedhof in Osnabrück stattfand, sprechen die Annalen von einer Beisetzung auf mehr oder weniger offenem Feld. Jedenfalls musste vor dem Begräbnis noch der Roggen geschnitten werden und Kanzlei-Direktor Lodtmann wurde zu Grabe getragen, und zwar am 22. März 1808. Zu diesem Zeitpunkt war der Hasefriedhof ein Stück Acker, welches eingefriedet war.
Wahrscheinlich haben die Überlegungen der Stadtväter hinsichtlich der Hygiene eine große Rolle gespielt, ein neues Totenfeld (denn mehr war es zum Zeitpunkt der ersten Bestattung nicht) nicht mehr im innerstädtisch dicht besiedelten Bereich des alten Osnabrücks anzulegen.
Der heutige Zustand der Grabstätten ist natürlich von Verfall gezeichnet und das ist genau die Ausgangslage für die Fotos, die entstehen sollen. Die Grabsteine und Grabplatten sind teilweise extrem stark nachgedunkelt im Laufe des letzten Jahrhunderts und von grüner Patina überzogen.
Neben dem Grün der Rasenflächen herrschen hier ausschließlich Erdtöne und das Grün von Moos und Patina.
3. Was macht das Licht mit den Farben?
Grundsätzlich muss in der Fotografie zwischen dem unterschieden werden, was das menschliche Auge wahrnimmt und das, was die Kamera aufzeichnet, und zwar unabhängig von DSRL oder Kompaktkamera. Dieser Unterschied liesse sich mittels Weißabgleich korrigieren, was ich aber für diese Fotoserie nicht getan habe, weil eben auch dieser Unterschied Teil des kreativen Fotoprozesses sein kann, den ich in diesem Fall mit einbeziehen wollte.
Ein manueller Weißabgleich erfolgt, indem ein Fotograf der Kamera mitteilt, welche Farbfläche im Foto ein neutrales grau darstellt. Unterlasse ich diese manuelle Einstellung, wird sich die Kamera automatisch den hellsten Punkt in dem Bereich suchen, auf den man die Kamera richtet.
[note]Das Wissen um den Weißabgleich kreativ nutzen
Ist dieser von der Kamera ermittelte hellste Punkt nun nicht neutral grau, wird das Foto eine andere Farbstimmung annehmen. Diese Farbstimmung wird in Kelvin ausgedrückt. Die auf diese Weise erzeugte Farbtemperatur mit Erhöhung der Kontraste und der Brauntöne wird für den späteren Look genutzt.
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4. Wem dient der Gral? (Fazit)
Grundsätzlich ist natürlich alles, so auch die Farbgebung oder die Bearbeitung von Fotos reine Geschmackssache.
Aber ein Grungy Look entspricht erstens dem, was wir mit Friedhöfen und Verstorbenen aus langen Jahrtausenden der Erziehung verbinden. Die Erinnerung, unsere Trauer, aber natürlich auch die Ruhe oder den Respekt, den man einem “Totenacker” entgegen bringen sollte.
Zum Zweiten sind wir in den letzten Jahren auch durch die Medien auf diesen Grungy Look geprägt. Es gibt spezielle Webdesigns, die sich dieses Themas annehmen und auch die Fernseh- und Filmindustrie arbeitet in den letzten Jahren bewusst mit gezielter Farbstimmung und Farbtemperatur. Auch die Werbefotografie greift dieses Thema oft auf.
Normalerweise ist es üblich, Landschaftsfotografie, die sich mit Friedhöfen beschäftigt in den bunten Herbst zu legen. Farbiges Laub, die letzten bunten Tupfer von gepflanzten Blumen und das dann wieder saftige Grün der Rasenflächen erzeugen einen warmen Look auf den Fotos; es entstehen Sehnsuchts – oder Wehmutsgedanken in uns. Aber Friedhöfe sind eben auch Orte der Vergänglichkeit, der Dunkelheit und der Kälte. Das aber diese Kälte und die Urangst vor dem Tod uns nicht abschrecken muss, zeigen die Fotos mit sehr harten Kontrasten.
Generell denke ich nicht, dass es respektlos ist, einen Historischen Friedhof zu grungen. Es ist eine andere Art, sich dem Thema farblich zu nähern, angelehnt an unsere Traditionen und die Emotionen und Assozziationen, die wir mit dem Tod verbinden.
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